Ein Hauch von Buenos Aires im Lavanttal

Wer Robert Trettenbrein in seinem Haus in Prebl besucht, begibt sich auf eine musikalische Zeitreise. In seinen Händen hält der 50-Jährige ein Instrument, das Geschichte atmet: Ein Bandoneon aus dem Jahr 1928. Mit geschlossenen Augen entlockt der leidenschaftliche Musiker dem „Seufzer von Buenos Aires“ Töne, die von tiefer Melancholie bis hin zu feuriger Leidenschaft reichen. Doch der Weg zur Meisterschaft war für den Wolfsberger ein einsamer und steiniger Pfad voller technischer Tücken. Im Interview spricht er über die Faszination eines Instruments, das in ganz Österreich nur eine Handvoll Menschen beherrschen, über die Herausforderung des Selbststudiums und seinen großen Traum, den Tango endlich in einem Ensemble durch das Lavanttal klingen zu lassen.

„Vier Systeme gleichzeitig im Kopf“ – Ein Gespräch mit Bandoneon-Spieler Robert Trettenbrein.

Redaktion: Herr Trettenbrein, das argentinische Bandoneon gilt als sehr schwiergeres zu erlernendes Instrument. Was hat Sie insperiert, sich ausgerechnet dieses „Instrument“ auszusuchen?
Robert Trettenbrein: (lacht) Es war die Musik von Astor Piazzolla. Diese Mischung aus Melancholie und purer Energie hat mich einfach nicht mehr losgelassen. Ich wollte diesen speziellen Klang unbedingt selbst erzeugen.
Redaktion: Sie sind Beamter beim Bundesheer – ein Beruf, der viel Struktur verlangt. Ist das Bandoneon für Sie der emotionale Gegenpol?

Robert Trettenbrein: Absolut. Das Instrument hat eine enorme Ausdruckskraft. Es kann sanft und traurig klingen, aber im nächsten Moment rau und heiter sein. Es harmoniert perfekt mit dem Tango, der ja genau diese emotionalen Extreme sucht.

Redaktion: Erklären Sie uns kurz die Tücke des Objekts. Warum rauchen einem beim Spielen die Köpfe?
Robert Trettenbrein: Das Bandoneon ist wechseltönig. Wenn ich den Balg ziehe, kommt bei einem Griff ein anderer Ton heraus, als wenn ich ihn,(Chaotische Tastenbelegung ohne Logik) zusammendrücke. Man muss also im Grunde vier verschiedene Tastensysteme gleichzeitig im Kopf behalten – für jede Hand zwei, je nachdem, ob der Balg auf- oder zugeht. Das macht das Selbststudium, mit dem ich 2012 begonnen habe, extrem intensiv.

Redaktion: Sie besitzen ein historisches Instrument von 1928. Wo findet man so etwas heute noch?
Robert Trettenbrein: In Österreich ist das fast unmöglich, hier gibt es ja kaum zehn Spieler dieses argentinischen Stils. Mein Instrument stammt von einem Händler aus Deutschland. Die Preise für ein vernünftiges Tango-Bandoneon liegen heute zwischen 5.000 und 8.000 Euro. Es ist also auch eine echte Investition in die Leidenschaft.
Redaktion: Nach Jahren des Alleine-Übens suchen Sie nun Mitstreiter im Lavanttal. Wer darf sich bei Ihnen melden?
Robert Trettenbrein: Jeder, der ein Faible für Tango hat! Das Bandoneon ist kein Solist für die Ewigkeit, es braucht Partner. Ich stelle mir eine Besetzung mit Klavier, Gitarre, Cello oder auch Gesang vor. Gemeinsam zu musizieren und vielleicht irgendwann im Lavanttal aufzutreten, das wäre das Ziel.

Redaktion: Herr Trettenbrein, vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg bei der Suche nach Ihrem Ensemble!