Trotz dieser Gegensätze arbeiten Künstler mit Müll. Und verändern dabei seine Bedeutung.

Wenn aus Ausrangiertem Kunst wird.

Aus Abfall Neues zu schaffen, also Recycling, ist nichts Neues. Wenn aber aus altem Kram nicht nur einfach ein neues Produkt entsteht, sondern etwas mit wesentlich höherem Wert – bis hin zu Kunst, dann ist die Rede von Upcycling. Und immer mehr Künstler machen mit.

Mehrere Milliarden Tonnen Abfall haben sich weltweit angesammelt. Damit ist Müll nicht nur eine wichtige Größe für die Wirtschaft und ein ökologisches Problem, sondern er formt ganze Landschaften. Und doch bleibt Müll, in der Flut täglich neuer Konsumgüter, vergleichsweise unbeachtet. Eine Lücke, welche die Kunst bereitwillig füllt.

Das ist natürlich interessant für die Kunst. Also genauso an die Ränder zu gehen und Sachen, die also vermeintlich nutzlos sind, nicht rein, nicht sauber, die man unter den Teppich kehren will, wieder an die Oberfläche zu holen.
Viele Künstler nutzen Müll, um ein Bewusstsein für die Umweltproblematik zu schaffen und die Wegwerfgesellschaft zu hinterfragen. Sie zeigen, wie durch das Wegwerfen von Materialien die Umwelt belastet wird, zum Beispiel durch Müll in den Ozeanen.Es ist die energetische Substanz im Abfall, welche die Künstler antreibt. Sie finden sich zwischen Irritation und Bezauberung.

Die Auseinandersetzung mit dem Müll setzt neue Maßstäbe im Wechselspiel zwischen Kunst / Leben, Ästhetik / Existenz, Poesie / Theorie, Abfall / Einfall, Anwesenheit / Abwesenheit, Schönheit / Hässlichkeit.

Upcycling-Kunst ist eine Reaktion auf das wachsende Bedürfnis nach Nachhaltigkeit, indem sie zeigt, wie aus scheinbar wertlosen Dingen etwas Neues, Nützliches und Schönes entstehen kann.

Ein wesentliches Ziel ist es, die Bedeutung und den Charakter von Müll zu verändern. Künstler verwandeln das, was als schmutzig, alt oder kaputt gilt, in etwas Ästhetisches und Wertvolles, indem sie die Grenzen zwischen Abfall und Kunst verschieben.

Pablo Picasso: Schaffte den „Stierkopf“ aus einem Fahrradlenker und Sattel.

Die Kunst aus Müll kann provokativ sein und hinterfragt mit dem berühmten Ausspruch „Ist das Kunst oder kann das weg?“ die gängigen Vorstellungen von Kunst und Wertigkeit.Man merkt, dass es nicht mehr nur um die Konsumbegierden geht, sondern ein großer Teil von aktueller Kunst ist, dass sie anfängt sichtbar zu machen, dass wir Dinge anhäufen.

Kunstwerke sollen Geschichte erzählen !

Joseph Beuys: Der Gedanke, Gegensätze zu vereinen, ist auch in der Müllkunst zu finden, z.B. in der Schwingung zwischen Erhabenheit und Ekel, was als eine Art „Schatten der Kunst“ verstanden werden kann.

Moderne Künstler: Schaffen Werke aus unterschiedlichsten Materialien um soziale oder ökologische Botschaften zu vermitteln.

Müll ist das Gegenstück zur Kunst. An den Rändern des Lebens, irgendwo zwischen Dunkelheit und Licht, ist alles zu finden: der Müll, die Kunst und – das Lebensglück. Wer Kunst als Lebens-Kunst begreifen kann, hat den Mut, auch über Alltägliches und Abfälliges zu staunen. Es ist eine Kunst, ein Werk zu schaffen, das einen Weg weist, das sich eine Schneise bahnt durch die Gerümpelhaftigkeit der Existenz und diese Spur dann zu einem Lebenskunstwerk entwickelt.

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